ZM Müller kocht und serviert die besseren Filets
LITTAU – Jetzt liegt die Fasnachts-macht voll bei Hans-Jörg Müller.
Der Metzgermeister ist auf den Thron gehievt worden und zeigte gleich, wer das Sagen hat: Er tischte bessere Fischfilets auf als der renommierte Küchenchef Max Lustenberger.
Jetzt hat der 53-jährige Metzgermeister Hans-Jörg Müller das fasnächtliche Sagen: Bei der internen Inthronisationsfeier in der Aula Schulhaus Dorf hat er von Rolf Glauser die Insignien übernommen und ist als 44. Zunftmeister der von André Eiholzer präsidierten Mättli-Zunft Littau ins Amt gehievt worden. Müller ist der erste Sohn eines ehemaligen Littauer Zunftmeisters, Vater Hans hat das hohe Amt 1971 bekleidet und die ersten Jahre der 1967 gegründeten Zunft stark mitgeprägt. Zusammen mit Gattin Bernadette und dem Weibelpaar Roland und Regula Buob und von vielen Guuggern begleitet, hat Müller auf dem Weg zum Michaelshof die Littauer Fasnacht lautstark eröffnet.
Im Zentrum St. Michael ging im Beisein von 165 Gästen – unter ihnen war auch Luzerns Grossstadtratspräsident Marcel Lingg auszumachen – eine bunte Show über die Fasnachtsbühne. Beim Gratulationscour versuchte Stadtrat Stefan Roth mit den Money-Girls unter anderem seine ehemaligen Gemeinderatskollegen zu verscherbeln und so die Stadtkasse oder Müllers Portemonnaie zu füllen: Porträts statt Geldbeträge zierten die Innenseiten der Geldkoffer. Mit ebenfalls gelungenen Produktionen zwischen dem vom Turnverein Reussbühl top zelebrierten Service warteten unter anderem die TSV-Handwerker, die Möseler-Zunft Luzern, die Jodlerfründe Ruopige, Freunde und Gäste – mit einer Bootsfahrt – Müllers Kinder mit einem theatralischen Fünfakter als Lachmuskelreizer, die Mättli-Zunft-Knappen mit einem Stimmungstanz, Angestellte und Metzgergesellen mit vielen Gags auf. Und dieser Gag sass auch: Die Fischerfreunde «Jöggu's 11» veranstalteten ein Wettkochen mit überraschendem Ausgang: Müller präsentierte im Direktduell mit «Thorenberg»-Chefkoch Max Lustenberger die besseren Fischfilets, er siegte knapp mit 30:28-Promi-Jurystimmen und darf für diesen Sieg seine Kollegen nächstens bekochen! Die Inthronisationsfeier mit der Supershow war ein Spiegelbild dessen, was man sich längst bewusst ist: Die Familie Müller ist auch als höchstes Fasnachtspaar in und um Littau stark verankert und beliebt.
Rolf Willimann
Das Eierrösi darf nicht an den Luzerner Umzug
Luzern und Littau haben fusioniert. An der Fasnacht gehen die Ortsteile aber vorerst getrennte Wege.
Die traditionelle Littauer Fasnachtsfigur Eierrösi darf nicht am grossen Luzerner Umzug vom Schmutzigen Donnerstag mitmarschieren – jedenfalls heuer noch nicht. «Das ist absolut unmöglich», sagt der Umzugschef des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK), Flavio Bezzola. Die Littauer Mättli-Zunft bedauert den Entscheid, nimmts aber mit Humor: «Unser Eierrösi ist eben eine Nummer zu gross für den Luzerner Fasnachtsumzug», sagt Präsident André Eiholzer. Die Gründe für die Ablehnung könne er gut verstehen.
Zum einen sei die Anfrage zu spät gekommen, sagt Bezzola. Zum anderen sei das Eierrösi mit seinen 4,40 Metern wegen den VBL-Leitungen 40 Zentimeter zu gross. Zudem habe es in diesem Jahr mit 38 Umzugswagen so viele Teilnehmer wie noch nie. Ausserdem wäre eine Berücksichtigung des Eierrösis unfair: «Wir mussten sieben oder acht Anfragen ablehnen – von Leuten, die sich rechtzeitig angemeldet haben», sagt Bezzola.
Silvia Weigel
Das Littauer Eierrösi soll den Umzug eröffnen
Silvio Panizza hat am Montag den neuen «Fasnachtsfüerer» vorgestellt. Und die Neue Luzerner Zeitung mit der «Goldig Gyge» ausgezeichnet.
Die Neue LZ schreibe ja nicht immer, was man wolle, sagte Silvio Panizza am Montagabend bei der Präsentation des «Rüüdige Fasnachtsfüerers». In diesem Spätherbst hatte er aber seine helle Freude an den Berichten über den «Stadtkeller». «Was wäre wohl mit unserem allseits innigst geliebten ‹Stadtchöbu› passiert, hätte nicht unser aller Leibblatt den heimlichen Deal, das Musikrestaurant an eine auswärtige Modekette zu verscherbeln, aufgedeckt», würdigte Panizza.
In gut drei Stunden handelseinig
Erst dank den Berichten unserer Zeitung ist Eckhard Schwöbel auf den «Stadtkeller» aufmerksam geworden. Schwöbel war sich mit den Verkäufern «innert dreieinhalb Stunden handelseinig», wie er anlässlich der Preisvergabe ausführte. Diese Rettung des auch während der Fasnacht beliebten Lokals brachte der Redaktion der «Neuen Luzerner Zeitung» und Schwöbel den 2. Rang der Verleihung «Goldig Gyge 2009» ein. Der 1. Rang ging an die Megger Kunstturnerin Ariella Kaeslin (Panizza: «Ariella ist unser neuer Stern»), mit dem 3. Rang wurden die Rotseemöven und der Verein Bahnhof-Guuggete für die Dekoration der Bahnhofshalle ausgezeichnet.
Zwei Ehrenpreise erhielten Ruedi Bürgi und Lorenz Fischer. Bürgi, dem «Gnagivater auf Lebzeiten», wurde der «Goldig-Satirik-Orden der Stadt Luzern» verliehen, weil er die Satirik gekonnt in Reime fasse. Fischer erhielt einen Ehrendoktortitel als Guuggenmusig-Experte für sein Buch über das Jubiläum der Musik Bohème.
Füllt Littau die Umzugslücken?
Silvio Panizza hat im «Fasnachtsfüerer» die Fusion von Littau und Luzern ins Zentrum gestellt. Zur Littauer Fasnacht gehört die Figur «Eierrösi» unweigerlich dazu. Panizza wünscht sich nun: «Das Eierrösi sollte am Schmutzigen Donnerstag den Umzug der Zunft zu Safran eröffnen.» Eine Idee, die von den Luzerner Fasnachtsgewaltigen nicht von vornherein abgeschmettert wurde, aber auch nicht zu heller Begeisterung führte. Roger Ulrich, Präsident des Luzerner Fasnachtskomitees, meinte trocken: «Wir haben im Umzug immer Lücken, die wir gerne füllen.» Er werde den Vorschlag mit Umzugschef Flavio Bezzola besprechen, versprach Ulrich.
Im «Fasnachtsfüerer» sind praktisch lückenlos alle Umzüge, Maskenbälle und Fasnachtsanlässe der Zentralschweiz aufgelistet, insgesamt über 600 Daten. Er ist für 5 Franken an Kiosken erhältlich.
Christian Bertschi
Luzerner Zeitung vom 14.02.2010
Auch die Littauer Metzg war ein Thema. (Bild Nadia Schärli/Neue LZ)
So feiert Littau die neue Heimat
Der Littauer Umzug bot viel politischen Zündstoff aus der Region und tolle Wagen. Und für Gourmets eine neue kulinarische Spezialität.
Den Littauern ist nicht alles wurst, was sich in ihrer (neuen) Heimat abspielt. Die Familiengärtner vom Areal Thorenberg haben in ihrem «neuen Stadtteil» Luzern die Langensandbrücke entdeckt als steilste Schlittel- und Skipiste der Stadt. Nur für die VBL-Busse würde sich die Brücke nicht eignen, so die Gärtner. Im Jahr eins nach der Fusion haben zwei weitere Wagenbauer Luzern als Thema entdeckt. Der Alpenclub beerdigte mit dem Lied «Spiel mir das Lied vom Tod» die Gemeinde Littau und bekräftigte: «Auch wenn die Littauer Fahnen untergehn, wird Littau ewig in unseren Herzen stehn.» Die Schärbeler Luzern-Littau doppelten fusionsmässig nach.
Schaurig schöne Lötschentaler
Gfürchig, gruselig und schaurig schön präsentierten sich viele Guuggenmusigen und Kulturfasnächtler (besonders auffällig, auch akustisch, waren die Hügü-Schränzer aus Luzern als Lötschetaler). Einzelmasken wie die fröhlichen Clowns oder die gurrenden Chrienser Wöschwiiber sorgten für viel Stimmung beim zahlreichen Publikum.
Zufriedener Umzugschef
Derweil wurde der diesjährige Mättli-Zunftmeister Hans-Jörg Müller zum beliebten Sujet. Oder zumindest seine Metzgerarbeit. Schwierig wurde es allerdings für den Northern Ireland Fisherman’s Club der Gruppe Jöggu’s 11. Die Fischer boten auf einmal eine Schweinsforelle an. Wie die wohl schmeckt?
Roland Häfliger, Umzugschef der Mättli-Zunft Littau, war sehr zufrieden mit dem gestrigen Tag. «Das Wetter hat toll gestimmt, der Umzug lief dank der Disziplin der Teilnehmer flüssig. Nach exakt zwei Stunden konnten wir die Strasse wieder freigeben», so Häfliger.
Christian Bertschi
20 minuten Fasnacht 2010
Sonderausgabe Luzern vom 15. Februar 2010
Beiträge:
- Littauer setzen auf die Quartierfasnacht
- Luzern-Littau: Fusion ohne Paukenschlag
- Die Mättli-Zunft und ihr Eierrösi
Hier Klicken: fusion1502201020minuten.pdf [424 KB]
Wey-Umzug und das Eierrösi
Eine Traditionsfigur aus Littau, ein wilder Gorilla und die Salle Modulable: Heisse Sujets sorgten für einen regen Publikumsaufmarsch.
Zu später Ehre kam am gestrigen Wey-Umzug durch die Stadt Luzern das Eierrösi. Der traditionellen Littauer Fasnachtsfigur wurde im Vorfeld der Fasnacht die Teilnahme an den Stadtluzerner Umzügen verwehrt. Der Grund: Das Eierrösi kommt mit seinen stattlichen 4,4 Metern Höhe den Oberleitungen der Verkehrsbetriebe Luzern gefährlich nahe. Wie dem auch sei: Auch wenn die Originalfigur am Wey-Umzug nicht mitmarschieren durfte, so wurden den die jüngsten Ereignisse ums Eierrösi charmant auf die Schippe genommen und gleich als eigenes Fasnachtssujet verbraten. „Ou wenn d Stadt esch so en bösi, mer chömid glich als Eierrösi“, stand da auf unzähligen Schildern einer wilden Gruppe. Im Gefolge marschierten das Eierrösi samt ergrautem Ehemann, streckte ihm unzählige Becher entgegen, die mit Beaujolais aufgefüllt ans Publikum verteilt wurden. Den Rotwein, „ das hets Eierrösi gärn“, liess es die Menge marktschreierisch wissen.
von Noémie Schafroth
