Die Geschichte zur Plakette 2012 "Hans im Glück"

Goldplakette 2012 "Hans im Glück"

Hans im Glück

Hans hatte sieben Jahre bei seinem Herrn gedient, da sprach er zu ihm: „Herr, meine Zeit ist herum, nun möchte ich gerne wieder heim zu meiner Mutter. Gebt mir meinen Lohn.“
Der Meister liess Hans ziehen und gab ihm als Lohn ein Stück Gold, so gross wie Hansens Kopf.

Wie Hans so dahinging und immer ein Bein vor das andere setzte, kam ihm ein Reiter in die Augen, der frisch und fröhlich auf einem muntern Pferd vorbeitrabte. „Ach,“ sprach Hans ganz laut, „was ist das Reiten ein schönes Ding!“ Der Reiter, der das gehört hatte, hielt an und rief: „ei Hans, warum läufst du auch zu Fuss?“ „Ich muss meinen Goldklumpen heim tragen.“ „Weisst du was,“ sagte der Reiter, „wir wollen tauschen. Ich gebe dir mein Pferd, und du gibst mir deinen Goldklumpen.“„Von Herzen gern,“ sprach Hans, „aber ich warne euch, diese Last drückt schwer.“

Der Reiter stieg ab, nahm das Gold und half dem Hans hinauf, gab ihm die Zügel fest in die Hände und verabschiedete ihn auf seinen Weg.Nach einem Weilchen setzte sich das Pferd in starken Trab, und ehe Hans sich‘s versah, war er abgeworfen und lag in einem Graben. Da kam ein Bauer mit einer Kuh des Weges. Hans sprach zu dem Bauern: „es ist ein Jammer mit dem Reiten, ich setze mich nimmermehr wieder auf. Da lob ich mir Eure Kuh, da kann man gemütlich hinterhergehen, und hat obendrein seine Milch, Butter und Käse jeden Tag. Was gäb ich darum, wenn ich so eine Kuh hätte!“
„Nun,“ sprach der Bauer, „ich würde die Kuh gegen das Pferd eintauschen.“

Hans willigte mit tausend Freuden ein. Der Bauer schwang sich aufs Pferd und ritt eilig davon.Hans trieb seine Kuh ruhig vor sich her und bedachte den glücklichen Handel. „Hab ich nur ein Stück Brot, kann ich, so oft mir‘s beliebt, Butter und Käse dazu essen; hab ich Durst, so melk ich meine Kuh und trinke Milch. Herz, was verlangst du mehr?“

Dann trieb er seine Kuh weiter, immer nach dem Dorfe seiner Mutter zu. Die Hitze ward drückender, je näher der Mittag kam.Da wurde es Hans ganz heiss, so dass ihm vor Durst die Zunge am Gaumen klebte. „Jetzt will Ich meine Kuh melken und mich an der Milch laben.“ dachte Hans. Er band sie an einen dürren Baum und begann mit dem Melken. Aber so sehr Hans sich auch bemühte, es kam kein Tropfen Milch zum Vorschein.

Darüber kam ein Metzger des Weges, der auf einem Schubkarren ein junges Schwein liegen hatte. Der Metzger beobachtete, wie sich Hans beim Melken vergeblich abmühte und sagte ihm: „Die Kuh wird wohl keine Milch mehr geben. Das ist ein altes Tier, das höchstens noch zum Ziehen taugt. Euch zuliebe will ich tauschen und will Euch das Schwein für die Kuh lassen.“ Überglücklich nahm Hans das Angebot des Bauern an, liess sich das Schweinchen vom Karren losmachen und den Strick, woran es gebunden war, in die Hand geben.

Schon kurze Zeit später gesellte sich ein Bursche zu ihm. Der trug eine schöne weisse Gans unter dem Arm. Hans fing an, von seinem Glück zu erzählen, und wie er immer so vorteilhaft getauscht hatte. Der Bursche hingegen lobte seine Gans: „Fühlt einmal, wie schwer sie ist. Wer in den Braten beisst, muss sich das Fett von beiden Seiten abwischen.“ „Ja,“ sprach Hans, und wog sie mit der einen Hand, „die hat ihr Gewicht, aber mein Schwein ist auch nicht schlecht.“

Da sagte der Bursche zu Hans: „Ich fürchte, dass mit eurem Schwein nicht alles rechtens ist. In dem Dorf, durch das ich soeben gekommen bin, ist nämlich eines gestohlen worden. Ich fürchte, Ihr habt es da in der Hand. Sie haben Leute ausgeschickt, und es schlimm, wenn sie euch mit dem Schwein erwischten. Da bekam es Hans mit der Angst:“Ach Gott,“ sprach er, „helft mir aus der Not, ihr kennt euch doch aus hier, nehmt mein Schwein da und lasst mir Eure Gans.“ „Ich riskiere damit einiges.“ Antwortete der Bursche, „aber ich will nicht schuld sein, dass ihr ins Unglück geratet.“ Er nahm also das Seil in die Hand und trieb das Schwein schnell auf einen Seitenweg fort. Der gute Hans aber ging, seiner Sorgen entledigt, mit der Gans unter dem Arme der Heimat zu.

„Wenn ich‘s recht überlege,“ sprach er mit sich selbst, „habe ich noch Vorteil bei dem Tausch: den guten Braten, die Menge von Fett und zuletzt noch die schönen weichen Federn.“
Als Hans durch das letzte Dorf gekommen war, stand da ein Scherenschleifer mit seinem Karren, der singend bei der Arbeit war.
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Hans blieb stehen und sah ihm eine Weile zu. Endlich redete er ihn an und sprach: „Euch geht es wohl gut, weil ihr bei eurer Arbeit so vergnügt seid ?“ „Ja,“ antwortete der Scherenschleifer, „das Handwerk hat einen goldenen Boden. Ein rechter Schleifer ist ein Mann, der, sooft er in die Tasche greift, auch Geld darin findet. Aber wo habt Ihr die schöne Gans gekauft?“ „Die hab ich nicht gekauft, sondern für mein Schwein eingetauscht.“ „Und das Schwein?“ „Das hab ich für eine Kuh gekriegt.“ „Und die Kuh?“ „Die hab ich für ein Pferd bekommen.“ „Und das Pferd?“ „Dafür hab ich einen Klumpen Gold, so gross wie mein Kopf, gegeben.“ „Und das Gold?“ „Das war mein Lohn für sieben Jahre Dienst.“ „Ihr habt Euch jederzeit zu helfen gewusst,“ sprach der Schleifer. „Wenn ihr es jetzt noch schafft, dass ihr das Geld in eurer Tasche springen hört, dann habt ihr wirklich euer Glück gemacht.“ „Wie soll ich das anfangen?“ fragte Hans. „Ihr müsst ein Schleifer werden wie ich. Dazu gehört eigentlich nichts als ein Wetzstein. Alles andere findet sich schon von selbst. Hier hab ich einen. Der ist zwar ein wenig schadhaft, dafür sollt ihr mir aber auch weiter nichts als eure Gans geben. Wollt Ihr das?“ „Wie könnt Ihr noch fragen,“ antwortete Hans, „ich werde ja zum glücklichsten Menschen auf Erden, wenn ich Geld habe, sooft ich in die Tasche greife.“ Hans reichte ihm die Gans hin, und nahm den Wetzstein in Empfang. „Nun,“ sprach der Schleifer und hob einen gewöhnlichen schweren Feldstein, der neben ihm lag, auf, „da habt Ihr noch einen tüchtigen Stein dazu, auf dem sich‘s gut schlagen lässt und Ihr eure alten Nägel gerade klopfen könnt. Nehmt ihn und hebt ihn ordentlich auf.“

Hans lud den Stein auf und ging mit vergnügtem Herzen weiter. Seine Augen leuchteten vor Freude, „ich muss in einer Glückshaut geboren sein,“ rief er aus, „alles, was ich wünsche, trifft mir ein, wie einem Sonntagskind.“

Hans war seit Tagesanbruch unterwegs. Er wurde hungrig und müde. Je länger er ging, umso mehr drückten ihn die Steine. Er nur mit Mühe weitergehen und musste jeden Augenblick halt machen. Da konnte Hans sich des Gedankens nicht erwehren, wie gut es wäre, wenn er die Steine gerade jetzt nicht zu tragen brauchte. Er kam an einen Feldbrunnen und wollte da ruhen und sich mit einem frischen Trunk laben. Die Steine legte er neben sich auf den Brunnenrand. Dann setzte er sich nieder und wollte sich zum Trinken bücken, da stiess er ein klein wenig an die Steine, so dass beide in den Brunnen fielen.

Als Hans sie versinken sah, kniete er nieder und dankte Gott mit Tränen in den Augen, dass er ihm auch diese Gnade erwiesen hatte. Er dankte, dafür, dass er ihn von den schweren Steinen befreit hatte, die ihm so hinderlich gewesen waren. „So glücklich wie ich,“ rief er aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war.